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Neue Zeichnungen von Horst Noll


Denn Horst Noll geht es stets weniger ums "Schöner Wohnen" oder um eine Sichtbarmachung der "Unwirtlichkeit unserer Städte" (Mitscherlich), sondern vorrangig um die spontane Organisation des bildnerischen Darstellungszusammenhangs. Insofern ist seine bekannt intuitive, impulsive und rasche Arbeitsweise auch hier gefordert. Zumal es keinerlei fotographische Vorlagen gibt: Der Zeichner ist ganz auf sein visuelles Gedächtnis und seine Fantasie, die Bildfläche planvoll zu gliedern, angewiesen. "Inhaltlich bleiben die Bildelemente also Fragmente, formal aber treten sie in ein neues Spannungsverhältnis ein" (Oliver Kornhoff). – Insbesondere in das der reinen Malerei. Denn so sehr sich die subtilen Miniaturen in bewährter kubistischer Manier auch als Grisaillen präsentieren – auf den zweiten Blick geben sie sich durchaus sehr farbig. Die konzentrierte Kraft verwischter, übereinandergelegter und lasierter Farbschichten schimmert lichtvoll durch den Bildgrund, stellenweise tilgen oder überlagern expressive Farbtexturen die Spur des konstruktiven Zeichenstrichs. – Was Malerei eigentlich ausmacht, das demonstriert Horst Noll auch in seinen Papierarbeiten und Zeichnungen anschaulich. Insofern lässt der mittlerweile fast 100 Exponate umfassende Zyklus die wahre Bedeutung einer Sentenz von Christian Dotremont und Asger Jorn erahnen: "Es gibt mehr Dinge in der Welt eines Bildes als im Himmel der ästhetischen Theorie."

Gunther Sehring, Juli 2015